Wir alle kennen das aus Beruflichem wie aus Privatem: Eigentlich läuft es zwischen zwei Menschen – Beziehungspartner, Kollegen, Chef und Mitarbeiter – grundsätzlich gut. Aber irgendwie gibt es einen dauerhaften Konflikt. Ein Phänomen, das ich im Privaten beobachte, was stellvertretend aber auch für Konflikte am Arbeitsplatz steht, ist der – wie ich ihn nenne – „Streit um den 7. Tag“.

Die Konstruktion des Konflikts

Die Ausgangslage des Konflikts ist Folgende: Partner A möchte vier Tage in der Woche in Gesellschaft verbringen und drei Tage in Zweisamkeit. Partner B hingegen genügen drei Tage Gesellschaft und wünscht sich vier Tage Zweisamkeit. Eigentlich ließe sich an 6 von 7 Wochentagen Einigkeit herstellen und nur über einen Tag in der Woche – eben den 7. Tag – müsste Einigkeit hergestellt werden. Angesichts der großen Übereinstimmung eigentlich ein vergleichsweise einfaches Unterfangen – sollte man meinen. Nur: Der 7. Tag ist immer. „Wir könnten doch heute mal zu Hause bleiben“ oder „Wir könnten heute doch mal rausgehen“ prallen jeden Tag aufeinander, weil in den letzten 6 Tagen vor dem 7. Tag ja im besten Fall alles ausgeglichen war. Jede Entscheidung führt zwangsläufig dazu, dass einer der Partner in den letzten 7 Tagen bevorteilt wurde. Also muss morgen dann der andere „zurückstecken“ und verzichtet heute. So haben dei Partner jeden Abend das Thema auf dem Tisch, wer seinen Wunsch erfüllt bekommt und wer verzichten muss. Am Ende haben beide das Gefühl, dem Partner zuliebe sehr häufig auf ihre Interessen verzichtet zu haben. Und dass der andere auf die eigenen Bedürfnisse nicht eingeht. Auf Dauer ein erhebliches Konfliktpotenzial…

Nur ein Problem von pathologischen Paaren? Keineswegs. Nehmen Sie zwei Unternehmer, die ein gemeinsames Projekt angehen. Der eine stellt 35% seiner Zeit zur Verfügung, der andere 30%. Sie können sicher sein, dass der Streit um die fehlenden 5% nicht abreißt – weil sie ja immer fehlen.

Wertschätzung als Voraussetzung für eine kommunikative Lösung

Wo ist der eigentliche Fehler? Der eigentliche Fehler ligt in der Betrachtung und primären Bewertung des Heute. Der Rückblick auf die letzte 6 Tage wird nur gemacht, um die eigene Position zu begründen. Es wird nicht wertgeschätzt, dass an 6 Tagen Einigkeit herrscht oder dass 30% ein erheblicher Input sind. Mit der Wertschätzung wird der Grundstein gelegt, sich das große Positive zu vergegenwärtigen und die Differenzen auf ihr reguläres Maß zurecht zu stutzen. Natürlich sind 5% von 35% oder 1 von 7 Tagen keine zu vernachlässigende Größe – aber eben nur ein Siebtel. Wer das im Auge behält, wird erheblich leichter ein Lösung finden.

 

 

 

 

 

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